Aus der Geschichte der Städtischen Gasanstalt

Die Planungen zum Bau der IV. Städtischen Gasanstalt begannen im Jahre 1871. Unmittelbar am Güterbahnhof Weißensee - womit der notwendige Anschluss an die Ringbahn für die Kohleanlieferung gesichert war-, an der Greifswalder Straße und dem Communikationsweg (ab 1874 Danziger Straße) wurde 1873 die Gasproduktion für die Beleuchtung der Straßen aufgenommen. Die spätere Siedlungsentwicklung musste dieses verkehrsgünstig gelegene Areal für die Wohnbebauung aussparen.

Die Lebensbedingungen der hier bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ansässig werdenden Bevölkerung wurden von Beginn an durch die nahe gelegene Gasproduktion beeinträchtigt; die tägliche Staub- und Rußentwicklung sowie der Ausstoß von Gasen belasteten seither die umliegenden Wohngebiete.

Dem intensiven Ausbau der nördlichen Vorstadtgebiete, insbesondere auch mit öffentlichen Gebäuden und kleinen Handwerks- und Gewerbebetrieben ab den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts musste eine sukzessive Produktionserweiterung folgen. Um 1898 betrug die maximale tägliche Leistung des Werkes 300 000 cbm. Mit dem Bau des sechsten und letzten Gasbehälters war im Jahre 1908 zunächst ein Höhepunkt in der Entwicklung des Werkes erreicht. Das Stadtgas spielte zunehmend als industrieller Heizstoff eine Rolle; es wurde in größerem Umfang auch im Haushalt zum Kochen und Heizen und zur Warmwasserbereitung angewendet. Mit Durchsetzung der elektrischen Beleuchtung und der Entwicklung neuer Technologien im Gasbereich trat die Aufbereitung der anfallenden Nebenprodukte Teer, Benzol und Ammoniak bzw. deren Bereitstellung für weiterverarbeitende Prozesse neben die Gaserzeugung und den Koksverkauf. Notwendige Umbauten und Erweiterungen konnten erst wieder in der Phase der allgemeinen wirtschaftlichen Stabilität ab Mitte der 20er Jahre erfolgen. Der allmähliche Ausbau des Ferngasnetzes in Deutschland eröffnete eine Diskussion für bzw. wider die Weiterführung örtlicher Gaserzeugungsstätten. Vor diesem Hintergrund erwogene Planungen zur Stilllegung des größtenteils veralteten Werkes  Danziger Straße wurden durch den Beginn des Zweiten Weltkrieges und den damit verbundenen erhöhten Gaslieferungen an die Rüstungsindustrie wieder verworfen.

Nach erheblichen Zerstörungen konnte die Produktion im Juni 1945 wieder aufgenommen werden, parallel dazu verlief der Wiederaufbau. Im Zusammenhang mit dem Ausbau der Schwerindustrie in der DDR und dem hohen Bedarf an Hüttenkoks stand der Umbau des Werkes Dimitroffstraße in eine Gaskokerei ab 1952. 

Gasbehälter III an der Greifswalder Ecke Danziger Straße um 1925.
(Foto Prenzlauer Berg Museum)

In den 60er und 70er Jahren gewann das Stadtgas als Heizungsgrundlage für Wohnungsneubauten und Modernisierung an Bedeutung. Im Jahre 1979 begann in Berlin die Umstellung auf Erdgasversorgung; die Stilllegung des Werkes im Mai 1981 wurde langfristig vorbereitet.

Noch zu Jahresbeginn 1983 heißt es in einem Artikel der Zeitschrift NBI: "...Die mächtigen Gasometer werden nicht in die Mangel genommen. Sie bleiben als Baudenkmale erhalten." Zu diesem Zeitpunkt jedoch war der Abriss der interessanten Baudenkmale bereits beschlossen. Über ursprüngliche Planungen und kreative Nutzungsvorschläge setzten sich die politisch Verantwortlichen mit der Sprengung der Gasbehälter im Juli 1984 hinweg; die zuvor einsetzende Welle von Protesten konnte diese Entwicklung nicht mehr aufhalten. Inwieweit administrative Machtpolitik oder die vorhandenen Schadstoffanreicherungen  im Mauerwerk diese Entscheidung bestimmten, lässt sich schwer nachvollziehen. Dessen ungeachtet verlief der Prozess der Planung und Umsetzung des Projektes Ernst-Thälmann-Park zutiefst undemokratisch.

Mit dem Bau von rund 1300 Wohnungen und dem infrastrukturellen Ausbau dieses Standortes bis 1986 wurde der Charakter des Bezirkes als der eines ausgesprochenen Wohngebietes noch verstärkt. Stadtgestalterisch ordnete sich dieses Areal nur schwer in die historisch gewachsenen Wohnstruktur des Prenzlauer Berges ein.

(Zitat: Prenzlauer Berg Museum)

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